Der Regisseur

Gísli Snær Erlingsson, geboren am 21. Dezember 1964 in Reykjavík, arbeitete nach dem Schulabschluss 1986 zunächst für das Isländische Fernsehen (RUV) als Autor und Moderator eines Jugend-Comedy-Programms, bei dem Frídrík Thór Frídríksson Regie führte. 1986 war er auch Produktionsleiter und Schnittassistent bei Frídríkssons Spielfilmdebüt »Weiße Wale« (Nordische Filmtage Lübeck 1987). 1988 war er Regieassistent bei Hrafn Gunlaugssons »Im Schatten des Raben«. Außerdem arbeitete er als Darsteller, Drehbuchautor, Produzent und Regisseur beim Isländischen Fernsehen. Praktische Erfahrungen mit Fernsehfilmen vertiefte er 1988 in einem Berufspraktikum bei dem Schwedischen Fernsehen (SvT1). Es folgte von 1990 bis 1994 ein Filmstudium an der F.E.M.I.S. in Paris, wo er sechs Kurzfilme drehte und so berühmte Regisseure wie Coline Serreau, Roman Polanski, Agnès Varda, Claude Chabrol, Peter Brook und Martin Scorsese zu seinen Lehrern zählten.

Noch während seines Studiums debütierte er in Island 1992/93 als Spielfilmregisseur mit einem Film über die Musikszene in Reykjavík, »Stuttur frakki«, ein Titel, der im Isländischen doppeldeutig "Kleiner Franzose" und "Kurzer Trenchcoat" bedeutet. Die Hauptrolle des in Paris und Island gedrehten, von der Artfilm produzierten Streifens spielte der Franzose Jean-Philippe Labadie, mit dem Erlingsson zuvor in Frankreich bereits einen Kurzfilm gedreht hatte. Der Film war der große isländische Publikumserfolg des Jahres 1993.

Nach seinem Studienabschluss in Frankreich schrieb und inszenierte er in Island zahlreiche Werbefilme fürs Fernsehen. Sein zweiter Spielfilm, der Kinderfilm »Benjamín dúfa« (Benjamin Taube, 1995), entstand als isländisch-deutsche Co-Produktion mit Eurimages-Geldern und war isländischer Beitrag beim Kinderfilmfest der Berlinale 1996. Die Nordischen Filmtage Lübeck zeigten ihn in ihrem Kinder- und Jugendprogramm 1996. Ikingut wurde im Kinderfilmprogramm der Berlinale 2001 und bei den Nordischen Filmtagen 2001 gezeigt. In der letzten Zeit hat Erlingsson HDTV-Filme für das japanische Fernsehen NHK gedreht und einige Drehbücher verfasst, die in Island und Großbritannien realisiert werden sollen.

Filmografie Gísli Snær Erlingsson

1990
LA DERNIERE POMME Kurzfilm

1991
DIS-LEUR Kurzfilm
SANS TITRE Kurzfilm

1992
MAUVAIS REVE Kurzfilm
ICEMASTER Kurzfilm
STUTTUR FRAKKI
(Behind Schedule)

1993
LA FALAISE BLANCE
(Die weiße Klippe) Kurzfilm

1995
BENJAMÍN DÚFA
(Benjamin Taube)
Nordische Filmtage Lübeck 1996

1997
HNEFINN
(Die Faust) Kurzspielfilm
THRIR MORGNAR
(Drei Morgende) TV-Film

1999
FROM CITY TO SEA
Dokumentarfilm, Japan
THE EAST END OF THE WORLD
Dokumentarfilm, Japan

2000
BLÓM HANDA FRÚNNI
(Blumen für die Dame) Kurzspielfilm

2000
IKINGUT
Nordische Filmtage Lübeck 2001