Der Regisseur

Per Ahlin, geboren 1931 in Nordschweden, ist einer der international bekanntesten schwedischen Zeichentrickfilmer. Er wuchs in Südschweden auf, wo sein Vater Tischler und Möbeldesigner war. Zunächst besuchte er eine altmodische Dorfschule, wo alle Altersgruppen in einem Klassenraum unterrichtet wurden und die Lebenserfahrung, die die beiden ältlichen Lehrerinnen vermittelten, jedes Buchwissen überwog.
Nachdem er sich drei Jahre lang auf dem Gymnasium bemüht hatte, den Einstieg in eine akademische Karriere zu schaffen, erlaubte ihm sein Vater, seinen künstlerischen Neigungen nachzugehen, zunächst als Werbezeichner, dann als Bühnenbildner und Regisseur in Lund und Malmö, schließlich als Illustrator und Regisseur kurzer Trickfilme für Cabaretts.

Anfang der sechziger Jahre begann er als Trickfilmmitarbeiter beim Schwedischen Fernsehen und der Firma "Svenska Ord" des berühmten Lustspiel - Filmgespanns Hasse Alfredson und Tage Danielsson. Dort war er insbesondere für die Trickfilmteile von deren Filmen »I huvet på en gammal gubbe« (Im Kopf eines alten Knaben, 1968) und »Karl-Bertil Jonssons julafton« (KBJ's Weihnachtsabend, 1975) verantwortlich, letzteres ein Fernsehfilm, der seitdem alljährlich im Schwedischen Fernsehen gezeigt wird.
Sein Debüt als Spielfilmregisseur und zugleich einen internationalen Durchbruch hatte Ahlin 1975 mit dem abendfüllenden Film »Dunderklumpen«, der erste Film dieses Genres in Schweden. Der Film wird auch in Deutschland verliehen. Anfang der achtziger Jahre realisierte Ahlin eine dreizehnteilige Zeichentrickfilmserie im Auftrage des Schwedischen Fernsehens nach Kinderbüchern von Gunilla Bergström, »Alfons Åberg« (Willi Wiberg). Die Filme liefen auch im Kino.

Per Ahlin arbeitet in einem eigenen Studio, das in den Räumen einer früheren Zuckerfabrik in Hököpinge bei Malmö untergebracht ist. "Seine künstlerische Selbständigkeit drückt sich unter anderem in der Fähigkeit zur ständigen Erneuerung aus, die ihn im Verein mit anderen Eigenschaften zu einem der spannendsten Zeichentrickfilmregisseure überhaupt macht. In seinen häufig mit knappen Mitteln durchgeführten Produktionen übertrifft er bei weitem die mit kolossalen Summen geförderten Zeichentrickfilme der großen Fabriken aus Ost und West." (Chaplin)
Sein bislang bedeutendstes Werk ist sein zweiter abendfüllender Trickfilm, «Die Reise nach Melonien«; Ahlin arbeitete daran über fünf Jahre, von 1984 bis 1989. Der Film war 1990 schwedischer Beitrag im offiziellen Programm der Berlinale und auf weiteren Festivals. Die Nordischen Filmtage Lübeck zeigten ihn im Kinder- und Jugendprogramm 1990.

Anschließend drehte Ahlin mit seiner PennFilm eine 28-teilige Zeichentrickfilmserie für das schwedische Fernsehen TV 2, bei der er jedoch nicht als Regisseur in Erscheinung trat. Die Serie beruht auf Lennart Hellsings ABC-Buch; fertig sind die jeweils 5 Minuten langen Teile »B = Bagare Bengtsson«, »F - Filip Glad« und »G = Gabriel Gräslök«. In Vorbereitung befindet sich ein weiterer abendfüllender Zeichentrickfilm nach Erzählungen von E.T.A. Hoffmann, dessen Drehbuch Hasse Alfredson und Claes Cederholm, der Produktionsleiter der PennFilm, schrieben. Längere Zeit war er mit der Entwicklung des Projekts »Hoffmanns Augen« nach Jacques Offenbachs Oper "Hoffmanns Erzählungen" beschäftigt. Sein Film »Hundehotel«, eine schwedisch-dänisch-norwegische Koproduktion, kam im Frühjahr 2000 heraus und lief bei den 42. Nordischen Filmtagen Lübeck.

Filmografie Per Ahlin

1968
1 HUVET PÅEN GAMMAL GUBBE
(Im Kopf eines alten Knaben)
Regie: Tage Danielsson (Mitarbeit)

1972/74
DUNDERKLUMPEN
(Dunderklumpen)

1974
KARL-BERTILS JULAFTON
(Karl-Bertils Heiligabend) Fernsehfilm
Regie: Tage Danielsson (Mitarbeit)

1978/83
ALFONS ÅBERG
(Willi Wiberg)
13-teilige Serie

1984/89
RESAN TILL MELONIA
(Die Reise nach Melonien)
Nordische Filmtage Lübeck 1990

1992 etc.
HOFFMANNS ÖGON
(Hoffmanns Augen)
Projektentwicklung

1998/99
HUNDEHOTELLET
(Hundehotel)

Nordische Filmtage Lübeck 2000