EIN TOLLER SOMMER |
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Regie: Ulf Malmros Buch: Kamera: Ton: Musik: Bauten: Schnitt: Produktionsleitung: Uraufführung: Dt. Erstaufführung: Originallänge: Fassung: Rollen: Originaltitel: Internationaler Titel: Herstellungsland & -jahr: Produktionsgesellschaft: Produzent: Produktionsadresse: Weltvertrieb: Festivalkontakt: Ein Sommer mit Leichengeruch Auch in diesem Sommer, man schreibt das Jahr 1958, sollen zwei Kinder die Ferien bei ihm verbringen. Sie heißen Annika und Mårten. Die beiden Kinder sind Waisen und kommen aus Pflegefamilien in Stockholm bzw. Uppsala. Sie kannten sich vorher nicht, haben durch den Verlust ihrer Eltern doch ähnliche Schicksale gehabt. Mårten ist ein bisschen ängstlich, aber klug und weiß schon genau, dass er einmal Jurist werden will. Annika ist etwas schwächer im Kopf, aber selbstbewusst und mutig. Auch sie weiß schon genau, was sie einmal werden will, nämlich Hure. "Da verdient man viel Geld und muss nur liebhaben", hat sie gehört. Herr Johansson hat, seinem Beruf entsprechend, seine eigenen merkwürdigen und düsteren Ansichten über das Leben. Die beiden Kinder schauen ganz anders in die Welt. Sie vertreiben sich die Zeit, so gut sie können. und geraten hin und wieder in Schwierigkeiten, aus denen ihnen Herr Johannsen nicht immer heraus helfen kann. Obwohl er den Kindern einerseits mit seiner Art auf die Nerven geht, tut er ihnen auch leid, weil er so allein ist. Deshalb beschließen sie, ihm zu einer Frau zu verhelfen, was nicht schwer ist. Denn Annika hat ihre "Zauberdosen" dabei, mit deren Hilfe man nicht nur Herrn Johanssons Erzfeind eine Krankheit anhext, sondern auch die Aufmerksamkeit der alleinstehenden Dorfschullehrerin weckt. Am Ende der Ferien sind Morten und Annika dicke Freunde. Sie wollen nicht mehr zu den Pflegeeltern zurück und beschließen, zusammen zu bleiben. Allerdings gibt es da noch die Behörden... Erfolgreicher Kinderfilm Im Juli 2000 lief der Film beim italienischen Kinderfilmfestival in Giffoni, im September 2000 wurde er beim Kinder- und Jugendfilmfestival in Frankfurt am Main mit dem Preis der CIFEJ-Jury ausgezeichnet. Bei den 42. Nordischen Filmtagen Lübeck erhielt er den Kinder- und Jugendfilmpreis der Nordischen Filminstitute, eine Lobende Erwähnung der Kinderjury und eine Empfehlung des medienpädagogischen Begleitseminars. Am 1. Januar 2002 wurde der Film im Zweiten Deutschen Fernsehen ausgestrahlt. Jurybegründung Ein großer Film für Kinder und Erwachsene Ein großartiger Film Gelungener Sommerfilm Das ist nur die erste von vielen Maßnahmen, die die zwei unternehmen, um aus ihrem merkwürdigen, aber auch einsamen Pflegevater wieder einen richtigen Menschen zu machen. Dabei sollen ihnen Annikas Zauberdosen helfen: Damit wollen sie nicht nur seinem Erzfeind, einem rassistischen und verbitterten alten Mann, eine Krankheit anhexen; nein, sie wollen mit ihrer Hilfe auch den einsamen Herrn Johansson mit der Dorflehrerin zusammenbringen. Und obwohl Herr Johansson es zunächst gar nicht so gerne sieht, dass die Kinder einander näher kommen, werden die beiden dicke Freunde, ja es keimen sogar zarte Gefühle einer ersten Liebe. Doch vor das Happy-End ist noch so manche Hürde gestellt. Und erst als Herr Johansson am Ende über seinen Schatten springt und in einem dramatischen Showdown die Kinder einfach dem Zugriff der Behörden entzieht, ist der Weg für eine neue Familie frei. Ähnlich wie Kjell-Äke Anderssons »Mein großer starker Vater« aus dem Jahre 1992 präsentiert Malmros eine Reihe skurriler Figuren und Situationen, wie sie so wohl nur in Schweden vorstellbar sind, wo die Leute - wie Andersson mal sagte - schon immer ein bisschen verrückter waren als sonst wo auf der Welt: Da ist etwa der schwarze Pianist, der einfach aus dem Nichts auftaucht und für so manchen Gag, aber auch für manchen Konflikt in der heilen Dorfwelt sorgt. Im Zentrum dieses gelungenen Sommerfilms stehen zwei miteinander verknüpfte Liebesgeschichten, die beide einige Hindernisse zu überwinden haben. Denn so wenig wie sich Annika und Märten von Beginn an verstehen, so schwer fällt es den Erwachsenen, ihre Gefühle füreinander zu entdecken und dann auch dazu zu stehen. Besonders Herrn Johansson, der sich in seinem Leben eingerichtet hat und mit einer Fülle von Ritualen vor dem Rest der Welt schützt und sein Leben lang versucht hat, sich aus allem herauszuhalten. Wenn es dann am Ende aus ihm heraus bricht und er die Kinder einfach an sich reißt, den Polizisten niederschlägt und mit der Lehrerin und seinen Kindern gen Horizont schreitet, ist wohl niemand überraschter über diese Entwicklung als er selbst. Malmros nimmt dabei seine Figuren immer ernst, auch wenn er mit ihnen oder gar über sie lacht, ohne sie dabei Hohn und Spott preiszugeben. Natürlich sind Herrn Johanssons Rituale zunächst einmal enorm komisch, aber bald schon blicken wir hinter die Fassade und sehen einen sehr einsamen Menschen, der nicht nur wegen seines Berufes im Dorf isoliert ist. Da stehen die zuweilen geradezu idyllischen Sommerbilder im harten Kontrast zu den Abgründen in so mancher Figur. Getragen von einem natürlich aufspielenden Ensemble ist das ein weiteres Beispiel dafür, dass man anspruchsvolles Kinderkino machen kann, ohne dass dabei der Unterhaltungswert verloren geht. Aber vielleicht geht so etwas mit dieser selbstverständlichen Leichtigkeit nur in Skandinavien und nicht hierzulande. Könnte es daran liegen, dass in den dortigen Gesellschaften Kinder einen größeren Stellenwert genießen und insgesamt ernster genommen werden? |