EIN TOLLER SOMMER



Regie:
Ulf Malmros

Buch:
Ulf Malmros, Lars Johansson

Kamera:
Mats Olofsson

Ton:
Eddie Axberg, Magnus Andersson

Musik:
Dan Sundquist

Bauten:
Louise Gylline

Schnitt:
Michael Leszczylowski, Fredrik Abrahamsen

Produktionsleitung:
Anita Tesler

Uraufführung:
8. März 2000

Dt. Erstaufführung:
13. September 2000 (Lucas - Internationales Kinder- und Jugendfilmfestival Frankfurt am Main);
1. Januar 2002 (Fernsehausstrahlung, ZDF)

Originallänge:
90 min.

Fassung:
35 mm (1:1,85), Farbe, Dolby SRD

Rollen:
Kjell Bergqvist (Yngve Johansson)
Rebecca Scheja (Annika)
Anastasios "Stasse" Soulis (Mårten)
Cecilia Nilsson (Frl. Svanström)
Brasse Brännström (Sven)
Marcus Hasselberg (Harald)
Gachugu Maximi (Jacques)
Göran Thorell (Eric Olsson)
Ann Petrén (Lungström)
Palle Olofsson (Oberkellner)
Annika Kristina Kallin (Krankenschwester)
Ralph Carlsson (Pfarrer)
Jesper Fahlström (Bote)
Johan Holmberg (Polizist)

Originaltitel:
DEN BÄSTA SOMMAREN

Internationaler Titel:
A SUMMER TALE

Herstellungsland & -jahr:
Schweden / Dänemark, 2000

Produktionsgesellschaft:
Memfis Film AB / Zentropa / Film i Väst, / Schwedisches Fernsehen SVT Göteborg, mit Förderung von Svenska Filminstitutet, Det danske filminstitut, Nordisk Film- & TV-fond

Produzent:
Lars Jönsson

Produktionsadresse:
Memfis Film & Television AB
Upplandsgatan 35
S-113 28 Stockholm
Tel. +46-8-33 55 76
Fax +46-8-30 99 34

Weltvertrieb:
Trust Film Sales
Filmbyen
Postbox 199
Avedore Tværvej 10
DK-2650 Hvidovre
Tel. +45-3686 8788
Fax +45-3677 4448
e-mail: trust@trust-film.dk
Internet: www.trust-film.dk

Festivalkontakt:
Svenska Filminstitutet
Box 27 126
S-102 52 Stockholm
Tel. +46-8-665 1100
Fax +46-8-666 3698
e-mail: uof@sfi.se
Internet: www.sfi.se

Ein Sommer mit Leichengeruch
Yngve Johannsson lebt, alleinstehend, in einem kleinen Ort namens Molkom. Von Beruf ist er der örtliche Bestattungsunternehmer, und das macht ihn nach seiner Meinung zur wichtigen und irgendwie auch angesehenen Persönlichkeit im Orte. Es ist ihm schon zu einer Gewohnheit geworden, jedes Jahr im Sommer Kinder aus der Großstadt über die Ferien bei sich aufzunehmen.

Auch in diesem Sommer, man schreibt das Jahr 1958, sollen zwei Kinder die Ferien bei ihm verbringen. Sie heißen Annika und Mårten. Die beiden Kinder sind Waisen und kommen aus Pflegefamilien in Stockholm bzw. Uppsala. Sie kannten sich vorher nicht, haben durch den Verlust ihrer Eltern doch ähnliche Schicksale gehabt. Mårten ist ein bisschen ängstlich, aber klug und weiß schon genau, dass er einmal Jurist werden will. Annika ist etwas schwächer im Kopf, aber selbstbewusst und mutig. Auch sie weiß schon genau, was sie einmal werden will, nämlich Hure. "Da verdient man viel Geld und muss nur liebhaben", hat sie gehört.

Herr Johansson hat, seinem Beruf entsprechend, seine eigenen merkwürdigen und düsteren Ansichten über das Leben. Die beiden Kinder schauen ganz anders in die Welt. Sie vertreiben sich die Zeit, so gut sie können. und geraten hin und wieder in Schwierigkeiten, aus denen ihnen Herr Johannsen nicht immer heraus helfen kann. Obwohl er den Kindern einerseits mit seiner Art auf die Nerven geht, tut er ihnen auch leid, weil er so allein ist. Deshalb beschließen sie, ihm zu einer Frau zu verhelfen, was nicht schwer ist. Denn Annika hat ihre "Zauberdosen" dabei, mit deren Hilfe man nicht nur Herrn Johanssons Erzfeind eine Krankheit anhext, sondern auch die Aufmerksamkeit der alleinstehenden Dorfschullehrerin weckt.

Am Ende der Ferien sind Morten und Annika dicke Freunde. Sie wollen nicht mehr zu den Pflegeeltern zurück und beschließen, zusammen zu bleiben. Allerdings gibt es da noch die Behörden...

Erfolgreicher Kinderfilm
In Schweden hatte der Film in den ersten drei Monaten 124.000 Zuschauer, und damit fast ebensoviel wie der ein halbes Jahr früher gestartete Astrid-Lindgren-Film »Pippi in der Südsee«. Aufgrund dieser Zuschauerzahl erhielt er vom Schwedischen Filminstitut eine nachträgliche Förderung von 1 Million Kronen.

Im Juli 2000 lief der Film beim italienischen Kinderfilmfestival in Giffoni, im September 2000 wurde er beim Kinder- und Jugendfilmfestival in Frankfurt am Main mit dem Preis der CIFEJ-Jury ausgezeichnet. Bei den 42. Nordischen Filmtagen Lübeck erhielt er den Kinder- und Jugendfilmpreis der Nordischen Filminstitute, eine Lobende Erwähnung der Kinderjury und eine Empfehlung des medienpädagogischen Begleitseminars. Am 1. Januar 2002 wurde der Film im Zweiten Deutschen Fernsehen ausgestrahlt.

Jurybegründung
"Die CIFEJ-Jury vergibt unter den Filmen des Wettbewerbsprogramms von Lucas 2000, dem Internationalen Kinder- und Jugendfilmfestival in Frankfurt am Main, den Preis an einen Film, der ein universelles Thema auf hohem künstlerischen Niveau behandelt, mit Bildern, die von der ebenso suggestiven wie souveränen Filmsprache des Regisseurs zeugen. Dieser zeigt eine besondere Sensibilität für komplexe Beziehungen und reiche Charaktere. Er lädt uns ein, mit diesen Figuren zu schmunzeln, aber sie nicht auszulachen. Der Film gibt der Phantasie einen großen Spielraum, obwohl er ernste Themen behandelt. Er regt Sympathie, Aufrichtigkeit und Hoffnung an, indem er seine Geschichte mit warmem Humor erzählt. Am Ende zeigt er, dass Einsamkeit überwunden werden kann, wenn jeder seinen Teil dazu beiträgt - eine Botschaft, die Kindern in der ganzen Welt helfen kann."
(Begründung der CIFEJ-Jury, Lucas - Internationales Kinder- und Jugendfilmfestival Frankfurt am Main 2000)

Ein großer Film für Kinder und Erwachsene
Durch den Kampf der beiden Waisenkinder Annika und Mårton um ihre Liebe wird ein spießiges schwedisches Dorf auf den Kopf gestellt, und Menschen beginnen zu wachsen, die dachten, sie wären schon erwachsen. »Ein toller Sommer« vereint alle Qualitäten, die einen herausragenden Film auszeichnen. Die spannende Geschichte lässt uns skurrile witzige und traurige Momente durchleben. In dem ausgefeilten Drehbuch werden vielschichtige Charaktere präzise bezeichnet und eine psychologische Tiefe erreicht, die selten im Kino zu bewundern ist. Die genaue Regie und das sensible Spiel aller Darsteller lassen den Zuschauer teilhaben an großen Wünschen und Sehnsüchten. Die Liebe, mit der Ulf Malmros seine Figuren betrachtet, überträgt sich auf den Zuschauer. Ein großer Film für Kinder und Erwachsene. Danke Ulf!
(Begründung der Kinder- und Jugendfilmjury der Nordischen Filminstitute, 42. Nordische Filmtage Lübeck)

Ein großartiger Film
Ein großartiger Film aus Schweden ist »Ein toller Sommer«, Regie: Ulf Malmros, der der Phantasie großen Spielraum gibt. Mit warmherziger Sympathie für seine Protagonisten, erzählt er humorvoll eine ernsthafte Geschichte. Es wird gezeigt, dass Einsamkeit überwunden werden kann und es sich lohnt, für seine Träume zu kämpfen. Ab 7 Jahren.
(Empfehlung 2000 des medienpädagogischen Begleitseminars der 42. Nordischen Filmtage Lübeck)

Gelungener Sommerfilm
Sommer 1958 irgendwo in Südschweden: Annika und Märten, zwei 11jährige Waisenkinder, finden mitten auf dem platten Land Aufnahme bei dem etwas merkwürdigen Herrn Johansson, dem örtlichen Bestatter. Johansson hat genaue Vorstellungen, wie die Ferien der beiden aussehen sollen: geregelter Tagesablauf, Nachsitzen für die Schule und vor allem keinen Ärger machen. Warum dieser Zwangsneurotiker überhaupt Kinder aufnimmt, ist den beiden so wenig klar wie dem Publikum. Doch Annika und Märten werden sein Leben gründlich umkrempeln: Zunächst einmal wird die Standuhr stillgelegt, nach der Herr Johansson seinen (und ihren) Tag zu regeln gedenkt.

Das ist nur die erste von vielen Maßnahmen, die die zwei unternehmen, um aus ihrem merkwürdigen, aber auch einsamen Pflegevater wieder einen richtigen Menschen zu machen. Dabei sollen ihnen Annikas Zauberdosen helfen: Damit wollen sie nicht nur seinem Erzfeind, einem rassistischen und verbitterten alten Mann, eine Krankheit anhexen; nein, sie wollen mit ihrer Hilfe auch den einsamen Herrn Johansson mit der Dorflehrerin zusammenbringen. Und obwohl Herr Johansson es zunächst gar nicht so gerne sieht, dass die Kinder einander näher kommen, werden die beiden dicke Freunde, ja es keimen sogar zarte Gefühle einer ersten Liebe. Doch vor das Happy-End ist noch so manche Hürde gestellt. Und erst als Herr Johansson am Ende über seinen Schatten springt und in einem dramatischen Showdown die Kinder einfach dem Zugriff der Behörden entzieht, ist der Weg für eine neue Familie frei.

Ähnlich wie Kjell-Äke Anderssons »Mein großer starker Vater« aus dem Jahre 1992 präsentiert Malmros eine Reihe skurriler Figuren und Situationen, wie sie so wohl nur in Schweden vorstellbar sind, wo die Leute - wie Andersson mal sagte - schon immer ein bisschen verrückter waren als sonst wo auf der Welt: Da ist etwa der schwarze Pianist, der einfach aus dem Nichts auftaucht und für so manchen Gag, aber auch für manchen Konflikt in der heilen Dorfwelt sorgt. Im Zentrum dieses gelungenen Sommerfilms stehen zwei miteinander verknüpfte Liebesgeschichten, die beide einige Hindernisse zu überwinden haben. Denn so wenig wie sich Annika und Märten von Beginn an verstehen, so schwer fällt es den Erwachsenen, ihre Gefühle füreinander zu entdecken und dann auch dazu zu stehen. Besonders Herrn Johansson, der sich in seinem Leben eingerichtet hat und mit einer Fülle von Ritualen vor dem Rest der Welt schützt und sein Leben lang versucht hat, sich aus allem herauszuhalten. Wenn es dann am Ende aus ihm heraus bricht und er die Kinder einfach an sich reißt, den Polizisten niederschlägt und mit der Lehrerin und seinen Kindern gen Horizont schreitet, ist wohl niemand überraschter über diese Entwicklung als er selbst.

Malmros nimmt dabei seine Figuren immer ernst, auch wenn er mit ihnen oder gar über sie lacht, ohne sie dabei Hohn und Spott preiszugeben. Natürlich sind Herrn Johanssons Rituale zunächst einmal enorm komisch, aber bald schon blicken wir hinter die Fassade und sehen einen sehr einsamen Menschen, der nicht nur wegen seines Berufes im Dorf isoliert ist. Da stehen die zuweilen geradezu idyllischen Sommerbilder im harten Kontrast zu den Abgründen in so mancher Figur. Getragen von einem natürlich aufspielenden Ensemble ist das ein weiteres Beispiel dafür, dass man anspruchsvolles Kinderkino machen kann, ohne dass dabei der Unterhaltungswert verloren geht. Aber vielleicht geht so etwas mit dieser selbstverständlichen Leichtigkeit nur in Skandinavien und nicht hierzulande. Könnte es daran liegen, dass in den dortigen Gesellschaften Kinder einen größeren Stellenwert genießen und insgesamt ernster genommen werden?
(Lutz Gräfe, in: "Kinder- und Jugendfilmkorrespondenz")